Die Pfeilraupe

Eine überaus originelle Konstruktion, denkbar simpel zu stricken und auch noch eine kostenlose Anleitung - wie kann es nur sein, dass ich dieses Tuch erst jetzt entdeckt habe? Alpis Pfeilraupe ist ebenso einfach wie genial, war allerdings bis vor ein paar Tagen nicht über Ravelry zu finden, sondern nur auf ihrem Blog. Ich bin zufällig bei Instagram darüber gestolpert, wo jemand verzweifelt fragte, ob es dafür auch eine englische Anleitung gibt. Offenbar ist die Designerin des Geniestreichs daraufhin mit Anfragen überhäuft worden, denn zwei Tage später gab's dann sowohl eine Übersetzung als auch eine Verlinkung bei Ravelry, wo sich das Prachtstück dann prompt mehrere Tage auf Platz 1 der Download-Hitparade behauptete.


Ich habe das Tuch sofort als ich es sah, zu meinem neuen Handtaschenprojekt erkoren, weil ich ohnehin wieder was Einfaches für unterwegs brauchte. Daraus wurde dann allerdings nichts, weil ich das Teil dringend und sofort fertig haben wollte und praktisch rund um die Uhr daran gewerkelt habe.

Ein wenig Kopfzerbrechen machte mir zunächst nur die Frage, welches Garn ich verwenden sollte. Die angegebene Lauflänge beträgt nämlich rund 530 m. Und da ich eine notorische Ein-Strang-Käuferin bin, hatte ich von allen in Frage kommenden Farben entweder zu viel oder zu wenig. Aber dann fand ich unter den Neuzugängen aus den Dezember-Beutezügen doch das Passende:


Witzigerweise ist das genau das Garn, bei dessen Anblick jeder gesagt hatte: "Was um alles in der Welt willst Du denn damit machen?" (Antwort: Keine Ahnung, aber irgendwas wird sich schon finden - et voilà!)

Abgewickelt und verstrickt bietet sich nämlich eine ganz andere Optik dar. Was auf dem Strang noch nach einer gewagten Kombination aussieht, verschmilzt sehr harmonisch miteinander:


Genau genommen handelt es sich hier nicht um einen Strang, sondern um drei kleine mit leicht unterschiedlichen, färbebedingten Farbabstufungen, mit einer Gesamtlänge von - juhu - 546 Metern. Und damit stand dem sofortigen Start des Projekts dann auch nichts mehr im Weg (abgesehen von einem zu unterdrückenden Schlafbedürfnis).

Das fertige Teil sieht so aus:


Gestrickt wird einfach kraus rechts mit verkürzten Reihen und in regelmäßigen Abständen werden kleine Schlitze eingearbeitet. Durch die zieht man dann später die lange Spitze nach Lust und Laune und erhält so ein paar schöne Stylingmöglichkeiten.


Im Nachhinein betrachtet war mein verwendetes Garn allerdings vielleicht etwas zu weich und glatt, um den Effekt voll zur Geltung zu bringen. Mit einem etwas griffigeren Garn oder sogar einer Mohair-Mischung könnte das unter Umständen noch besser aussehen. Mein Exemplar eignet sich eher als Schal denn als Tuch.


Das könnte aber trotzdem eine gute Idee für alle sein, die im Januar noch nicht genug auf den Nadeln haben. Und ich brauche jetzt dringend ein neues Handtaschenprojekt ...


Hier geht's zur Anleitung.

Garn:150 g Funnies Trio Aquarell No. 109, (Twisted Merino, 100% Wolle), LL 546 m von Dibadu

Nadelstärke 4,0 mm

Kommentare

  1. Liebe Ute,
    das Tuch ist einfach genial! Danke für den Link. Vielleicht wird das mein nächstes Handtaschenprojekt. Du hattest doch vor, ein kleineres Tuch zu stricken. Vielleicht passt die Pimpelliese gut in Deine Handtasche :-)
    Liebe Grüße
    Anneli

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Anneli,
    ja, ich glaube, es wird tatsächlich auf die Pimpelliese hinauslaufen. Mir schwebt eine etwas kleinere Variante vor, die sich auch als Kragen verwenden lässt. Aber jetzt stürze ich mich erst wieder auf das "Sofaprojekt" (den Poncho).
    Liebe Grüße,
    Ute

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi, wie groß ist das Tuch denn etwa?
      Kann leider nicht mehr stricken (Arthrose).
      Aber evtl. aus Stoff. Nähen geht noch.
      Würde mich über eine Antwort freuen. Danke.
      hk204@gmx.de

      Löschen
  3. I love how that crazy yarn turned into such a pretty shawl!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hi Katrine, you are absolutely right. In the future I'll be more open to experiment with crazy coloured yarn ...

      Löschen
  4. Hi Katrine,leider bin ich mit der Anleitung nicht klar gekommen,habe sie dann nach Mass gestrickt.1.60 m war viel zu lang,Habe nun alles aufgetrennt( Nadelstärke war auch zu dick) Wie lange ist deinecPfeilraupe geworden??Ueber eine Antwort oder Ratschlag würde ich mich freuen.Liebe Grüße Viktoria

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Meine ist knapp 1,90 m lang und ca. 55 cm hoch. Ich finde, die muss auch so lang sein, damit man ein bisschen was zu wickeln hat, aber das ist sicher Geschmackssache. Die Nadelstärke musst Du natürlich immer sowohl ans Garn als auch an Deine persönliche Art zu stricken anpassen. Ich glaube, im Original wird eine 3er Nadel verwendet. Ich persönlich mag es lieber, wenn kraus rechts Gestricktes etwas lockerer fällt. Wenn Du den Schal kürzer haben willst, musst Du zu Beginn einfach weniger Maschen anschlagen, dann musst Du allerdings auch darauf achten, die Anzahl der Reihen zwischen den Schlitzen entsprchend zu verringern, weil sonst die ganze Mathematik nicht mehr stimmt.

      Löschen
  5. Liebe Ute,
    ich stricke zur Zeit die Pfeilraupe und habe eine Frage zum Abschluss. Was ist mit sticheln gemeint? Wie muss ich das machen?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.

    AntwortenLöschen
  6. Hallo Bine,
    ich habe das so interpretiert, dass man den Faden einfach durch die letzte Masche zieht, ohne sie zu stricken. So mache ich das zumindest immer, um diese unschöne kleine Ecke zu vermeiden, die sich sonst beim Abketten immer ergibt.

    AntwortenLöschen
  7. Also ich steh mit der Anleitung auf Kriegsfuß. Möchte die pfeilraupe sehr gerne stricken aber komme nicht über den Start mit aufhäkeln hinaus. Kann man das nicht einfacher erklären. Lg anke noll

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Anke,

      ich habe das mit dem Aufhäkeln auch noch nie gemacht. Ich nehme an, das dient dazu, dass der Anschlag etwas lockerer wird. Ich habe bei meinem Exemplar die Maschen einfach so angeschlagen, wie ich das immer mache und dafür eine Nadel verwendet, die eine halbe Nummer größer war als die, mit der ich dann gestrickt habe. Ich hoffe, das hilft Dir weiter.

      Löschen
  8. Grüß dich Ute, bin gerade dabei die PfeilRaupe zu stricken. Den oberen Teil habe ich fertig, aber wie geht es nun weiter? Soll ich die Maschen von der langen Kante aufnehmen oder neue Maschen anschlagen und danach zusammen stricken. Oder hab ich einen riesen Denkfehler. Ich hoffe du kannst mir weiterhelfen. Besten Dank im voraus. LG Karin

    AntwortenLöschen
  9. Hallo Karin,

    ja, tut mir leid, ich tippe auf Denkfehler ... Erst mal: Wieso hast Du den oberen Teil fertig? Das Teil wird von unten nach oben (in einem Stück) gestrickt.
    Maschen werden nur einmal angeschlagen (bzw. laut Anleitung: aufgehäkelt) und zwar jede Menge (288), ganz am Anfang. Mehr Maschen brauchst Du dann aber auch nicht. Danach strickst Du mit verkürzten Reihen an der unteren Kante entlang (5 M re, wenden, Rückreihe re, wenden, 11 M re, wenden, Rückreihe re, wenden, 16 M re, wenden usw.) Das machst Du, bis Du an der Spitze angekommen bist (= bis tatsächlich die letzten der angeschlagenen Maschen einmal abgestrickt sind). Du hast also am Anfang pro Reihe sehr wenig Maschen zu stricken und dann immer mehr. (Zusätzlich werden an der rechten Seite in regelmäßigen Abständen Maschen zugenommen und die Schlitze gearbeitet.)
    Wenn Du an der Spitze angekommen bist, geht das ganze rückwärts, wieder mit verkürzten Reihen. Die sind zunächst ziemlich lang und werden dann immer kürzer.
    Auf dem Bild oben, auf dem das Tuch ausgelegt ist, kann man eigentlich den Strickverlauf ganz gut sehen, weil meine drei Stränge leicht unterschiedlich eingefärbt waren. Der Anfang ist am dunkelsten, der Abschluss am hellsten.
    Ich hoffe, das ist einigermaßen verständlich. Bedenke: das Design ist nicht von mir...
    LG Ute

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Bis zur Spitze habe ich mich durchgewurschtelt. Bleiben nach den verkürzten Reihen die Maschen auf der Nadel?

      Löschen
    2. Ja, die Maschen bleiben alle auf der Nadel und werden am Schluss in einem Rutsch abgekettet. Andernfalls gäbe es eine unschöne Kante.

      Löschen
    3. Danke, es hat geklappt und meine erste Pfeilraupe sieht gut aus

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Linientreu

Waiting for the Sun