Donnerstag, 20. April 2017

Kleinkariert


Höchste Zeit, dass mal ein paar der Schätze verarbeitet werden, die ich letzten Oktober auf dem Wollmarkt in Vaterstetten erstanden habe. Und ganz weit vorne auf der Liste standen diese Prachtexemplare von Edith. Schon beim Einkauf war klar, dass die beiden Seidenkombinationen zusammengehörten. Und die zwei lieferten auch das pure Strickvergnügen. Vor allem die Principessa aus Seide und Yak ist sensationell. Man soll ja mit Superlativen vorsichtig sein, aber das ist vielleicht das angenehmste Garn, das ich je verstrickt habe.


Zugegeben: Die Farben schreien jetzt nicht gerade: "Willkommen, Frühling!". Aber der April präsentiert sich ja durchaus in ähnlich düsterem Gewand. Außerdem: grau und grün geht bei mir immer!



Um die Struktur und den dezenten Schimmer des Garns schön in Szene zu setzen, war auch schnell klar, dass sich verschiedene Strukturmuster abwechseln sollten. Und ein wenig hat dann auch meine neuentdeckte Leidenschaft für Mosaikmuster dazwischengefunkt. Zwar war ich zwischenzeitlich arg skeptisch, ob das Musterchen sich überhaupt abzeichnet, aber letztlich hat es doch ganz gut funktioniert.


Und nun schmeichelt sich das Teilchen derart soft um den Hals, dass ich mich frage, warum ich eigentlich nicht immer Seide verarbeite. Ein Blick in die Geldbörse beantwortet die Frage dann allerdings schnell und entschieden. Aber trotzdem: Gelegentlich muss man sich solchen Luxus einfach gönnen!


Garn:

  • 120 g Merino-Seide 400 single (50% Merino, 50% Maulbeerseide), LL 400 m / 100 g, Farbe: Kohle
  • 100 g Principessa (50% Yak, 50% Maulbeerseide), LL 460 m / 100 g, Farbe Pistazie

Sonntag, 16. April 2017

Meeresleuchten


Nach der Luftnummer hatte ich gleich noch mal Lust auf die Kombination Silkhair + Effektgarn. Erst hatte ich mit verkürzten Reihen gespielt, das sah aber nicht besonders aus. Fallmaschen dagegen machen sich mit dem Bändchengarn richtig gut. Bei diesem zweiten Versuch blieb es dann auch.


Mit dieser Farbvariante der Roma Degradé hatte ich letzten Sommer schon wochenlang geliebäugelt - so lange bis das Garn ausverkauft war. Dieses Jahr habe ich dann gleich zugegriffen, sobald ich es wieder sah. Diesen Grün-Türkis-Blau-Verlauf finde ich einfach umwerfend.

Schöne Farbe hin oder her, das Garn hat allerdings ein entscheidendes Manko. Der Wechsel von hell nach dunkel erfolgt relativ abrupt und - man glaubt es kaum!! - einfach dadurch, dass da Enden zusammengeknotet werden! Noch dazu mit so kurz bemessenen Knoten, die sich kaum im Strickwerk verstecken lassen.


Beim ersten Mal glaubte ich ja noch an ein Versehen, aber nachdem das pro Knäuel zwei Mal vorkam, steckt hinter der Schlamperei wohl Methode. Vielen Dank auch Lana Grossa! Immerhin ist das Bändchen mit rund 12 € nicht gerade ein Schnäppchen! Ich denke, für künftige Gelüste in dieser Richtung werde ich dann auf das nur geringfügig teurere Bändchengarn von Louisa Harding zurückgreifen, dass es auch in tollen Farben gibt ...



Weil immer noch jede Menge Garn übrig war, als der Schal bereits eine komfortable Länge hatte, habe ich (ich glaube das erste Mal seit der dritten Klasse) noch Fransen dran gemacht.Auch die machen sich mit dem Farbverlauf, wie ich finde, recht gut. Allerdings haben sie sich nach dem Waschen eingedreht.




Maße: 210 x 40 cm (ohne Fransen 177 cm lang)

Garn:

  • 195 g Lana Grossa Roma Degradé (100% Baumwolle), LL 210 m / 100g, Farbe 305 (ohne Fransen 140 g)
  • 27 g Lana Grossa Silkhair (70% Mohair, 30% Seide), LL 210 m / 25 g, Farbe 089.

Mittwoch, 5. April 2017

Luftnummer


Wenn sich langsam der Eindruck aufdrängt, ich hätte dieses Paillettengarn in allen nur verfügbaren Farben aufgekauft, so ist das nicht gänzlich falsch. Ähnliches gilt für die Silkhair, die sich auch immer mal in den Einkaufskorb schmuggelt. Es lag also nahe, die beiden zwecks Bestandsabbau einmal miteinander zu kombinieren.


Und zwar zu einem denkbar einfachen Nebenbei-Projekt. Ein Schal, bei dem sich vier Reihen glatt rechts in Mohair abwechseln mit zwei Reihen kraus rechts in Opera. Angeschlagen hatte ich 62 Maschen. Das Ganze mit großen Nadeln, damit das Ganze schön transparent wirkt, und fertig ist die Laube. Na ja, nicht ganz, weil sich einmal mehr gezeigt hat, dass es aus unerfindlichen Gründen viel länger dauert, einen Schal als ein Tuch zu stricken. Zumindest fühlt sich das jedes Mal so an.


Trotzdem, und trotz des stricktechnischen Gähn-Faktors hätte ich jetzt irgendwie Lust, noch mehr so durchsichtiges Zeugs zu produzieren. Genug Garn sollte ja vorhanden sein ...

Ach ja: Trotz der vielen Luftlöcher hält der Schal übrigens erstaunlich warm. Das hätte ich eigentlich wissen können, denn vor ein paar Jahren habe ich schon einmal einen ähnlich luftigen Mantel gestrickt (den man mit viel gutem Willen auf dem ersten Bild auch erahnen kann). Und der hat mich auch schon öfter zum Schwitzen gebracht.



Maße: 230 x 40 cm

Garn:
  • 50 g Lana Grossa Silkhair (70% Mohair, 30% Seide), LL 210 m / 25 g, Farbe 024.
  • 140 g Lana Grossa Opera (65% Baumwolle, 25% Polyamid, 5% Viskose, 5% Pailletten)
Nadelstärke: 6,0 mm

Samstag, 1. April 2017

Auf den Nadeln im April

Der Rückblick fällt diesmal ja recht übersichtlich aus. Viel (weitgehend un- und unterbezahlte) Arbeit, daher sind nur ganze zwei Projekte fertig geworden. Und die sind auch nicht grade ein Nachweis von Kreativität, sondern reine Fleißarbeit.



Immerhin machen mir beiden trotzdem viel Freude. Der 'Planned Pooling'-Schal vor allem deshalb, weil sich das Garn so unfassbar gut anfühlt. (Zum Glück fallen fast alle anderen Farbkombinationen der Lanartus Fine Merino Socks nicht in mein Beuteschema, sonst wäre ich wahrscheinlich gleich losgezogen, um sämtliche Bestände aufzukaufen.) Und die Concertina, weil es mir im dritten Anlauf endlich gelungen ist, das richtige Verhältnis von Maschenzahl und Zunahmen auszutüfteln.

Für den laufenden Monat ist zwar einiges auf den Nadeln, aber bislang noch nichts sonderlich Spannendes. Da ist zum einen was aus der Kategorie: "Das Garn muss jetzt endlich weg", vor allem, weil es, auf die großen Papprollen gewickelt, so viel Platz wegnimmt. Aber auch, weil mir die Melange wirklich gut gefällt. Ich plane so ein loses Überwurfdings, das bequem um den Oberkörper schlabbert. Ob eher in Pulli- oder in Jackenform entscheide ich, wenn das Rückenteil fertig ist, dann sehe ich, wie weit das Garn reicht.


Zum anderen was aus der Abteilung "Ich will jetzt unbedingt was mit diesem Garn machen" (Yak und Seide! Mehr muss ich nicht sagen, oder?). Und zwar eine Kombination aus Mosaik- und Strukturmustern. Ich bin im Augenblick aber noch unschlüssig, ob der Kontrast zwischen den beiden Farben groß genug ist für Mosaik, deshalb ist mein anfänglicher Enthusiasmus etwas gebremst.



Und dann sind da noch drei Anfänge aus der Rubrik "Frühling! Jetzt muss aber schnell was Luftiges her!" Von links nach rechts: Tuch aus Lacegarn, das auch noch einen Abschnitt mit Lacemuster kriegen soll, simpler Schal aus Silkmohair und Opera und ein Tuch, das nach endlosen Lochreihen als Abschluss eine opulente Borte kriegen soll, von der ich allerdings noch keine konkrete Vorstellung habe. Mehrfarbig? Lace? Mosaik? - Keine Ahnung. Aber das mit den Löchern wird sich ja noch eine Weile ziehen, da hab ich Zeit zum Nachdenken.


Und schließlich wäre da ja auch noch dieses unwiderstehliche Leinengarn, das mich letzte Woche geradezu schamlos angemacht hat. Das ist mittlerweile bei mir eingezogen und flüstert jetzt dauernd, nicht weniger schamlos, "Fass mich an! Mach mit mir, was du willst!" Tja, wenn ich das nur wüsste ...


Dienstag, 21. März 2017

Aller guten Dinge sind drei

Man sehe und staune: Im dritten Anlauf ist tatsächlich genügend Faltenfülle vorhanden und sie hat auch den Waschgang überlebt. So gibt es für das Modell 'Concertina' tatsächlich noch ein Happy End!


Des Rätsels Lösung lautete tatsächlich, einfach mehr Zunahmen zu machen. Obwohl das Tuch eher eine mittlere Größe hat (160 x 60 cm vor dem Waschen, 185 x 80 cm danach), stecken ca. 1500 m Garn drin.


Stichwort Garn: von allzu flauschigem, schmuseweichen sollte man wohl Abstand nehmen. Mein zweiter Versuch mit Kidsilk Mohair war ja der reinste Softie, der die Plisseefalten einfach ignoriert hat. Aber mit etwas griffigem Sockengarn funktioniert es ganz gut.


Als Ansporn zum Durchhalten habe ich für die untere Kante noch ein Beilaufgarn mit Pailletten dazugekauft. Die Aussicht auf etwas Glitzer hat dann auch geholfen. Und der Polyesterfaden hat auch noch einen praktischen Nutzen, denn dadurch kriegen die Falten, die unten schon etwas breit sind, noch eine zusätzliche Stütze.


Sehr frühlingshaft sieht das nicht aus, aber Gleiches gilt ja auch noch für das Wetter. Bis die ersten, etwas luftigeren Modelle fertig sind, kann ich das noch ganz gut vertragen.


Anleitung: Concertina

Garn:
  • 210 g Ferner Color Flow (75% Schurwolle, 25% Polyamid), 420 m / 100 g, Farbe 810
  • 65 g Lana Grossa meilenweit (80% Schurwolle, 20% Polyamid), 420 m / 100 g, Farbe 1323
  • 25 g Lanartus Fine Merino Socks (75% Schurwolle, 25% Polyamid), Farbe 1330
  • 25 g Lana Grossa Lace Paillettes (40% Alpaka, 20% Schurwolle, 15% Baumwolle, 15% Polyamid, 5% Polyester) 160 m / 25 g, Farbe 009
  • 5 g Lanartus Galaxy (100%Polyester), 340 m / 25 g, Farbe 103
Nadelstärke: 3,5 mm

Mittwoch, 15. März 2017

Olle Kamellen statt neuer Experimente

Ihr erinnert Euch vielleicht, dass ich letzten Sommer zwei nicht ganz zufriedenstellende Versuche mit jeder Menge Falten gemacht hatte (zu besichtigen hier und hier). Danach hatte ich die Idee mit Bedauern ad acta gelegt. Nun begab es sich aber, dass der Lieblings-Wollladen letzten Monat ein Fenster mit Schoppel-Wolle dekorierte und sich dafür auch ein paar von meinen Tüchern aus den Zauberbällen auslieh. Und prompt gab es eine Reihe Nachfragen nach einer Anleitung für das Faltending.


Notgedrungen starte ich also noch einen dritten - und garantiert letzten - Versuch, das Ganze so hinzukriegen, dass der Faltenwurf mich auch am fertigen Tuch befriedigt. Leider lautet die Lösung wohl: mehr Maschen, so dass sich das noch eine Weile hinziehen wird. So im Hinterkopf arbeite ich zusätzlich noch an einem kleinen Kniff beim Abketten, der hilfreich sein könnte.

Montag, 6. März 2017

"Planned Pooling" oder: Ein Test für die Nerven

Wie in jedem überdimensionierten Stash finden sich auch bei mir jede Menge dieser mehrfarbigen handgefärbten Garne, die im Strang so unwiderstehlich aussehen. Und nach dem Wickeln ewig ruhen, weil die schönen Farben dann wild durcheinander sind und das Ganze beim Stricken dann bloß irgendwie fleckig wird. Zeit also, sich mal nach alternativen Lösungen umzusehen. Und da kommt 'Planned Pooling' (= geplante Zusammenballung) ins Spiel. Die Idee dahinter ist, dass sich die Farbsegmente bei einem runden Strang - logisch - irgendwann wiederholen. Und daraus lässt sich dann berechnen, wie breit ein Strickstück sein muss, damit die Farben beieinander bleiben. Klingt einfach, isses aber nicht.


Nun ist es zwar immerhin nicht so, dass man man alleine austüfteln muss, wie man aus dem Farbchaos ein Muster zaubert. Wie für (fast) alle Probleme des Lebens hat das Internet auch dafür eine Lösung parat, in Gestalt der Seite Planned Pooling. In den Rechner gibt man einfach ein, über wie viele Stiche sich jede Farbe hinzieht. Und dann kann man ausprobieren, wie sich unterschiedliche Maschenzahlen auf den Farbverlauf auswirken. Bei mir sahen die Beispiele so aus:


Die Sache mit den Karomustern hatte ich von vorneherein als völlig unrealistisch verworfen. Wenngleich ich durchaus schon einige (allerdings gehäkelte) Exemplare gesehen habe, bei denen das gut geklappt hat. Aber für den Anfang wollte ich mich mit den geraden Streifen begnügen, schon aus dem Grund, weil man da schneller sieht, ob es funktioniert.

Und funktioniert hat erst mal gar nichts. Weil Theorie und Praxis an verschiedenen Stellen auseinanderklaffen. Zwar nur um Millimeter, aber die sind hier entscheidend. Es beginnt schon damit, dass es schwierig ist, die Maschen pro Farbe zu bestimmen, weil eine Farbe vielleicht nicht über genau sechs Maschen läuft, sondern nur über fünfdreiviertel ... Es hat mich geschlagene 14 (in Worten: vierzehn!!) Stunden gekostet, bis ich eine Basiszahl ermittelt hatte, mit der es lief. Weil man ja erst mal ein Stück stricken muss, um zu sehen, wie es sich entwickelt. Und dann nochmal mit einer Masche weniger. Und dann nochmal mit zwei Maschen mehr ... Mit 3,5er Nadeln klappte es jedenfalls hinten und vorne nicht, erst als ich auf 3,75er wechselte, nahm der Schal langsam Gestalt an.


Aber wenn die Basis dann mal steht, kann man ja ganz gemütlich und ohne hinzusehen einfach glatt rechts dahinstricken, richtig? Falsch!!!

Bis dahin hatte ich mir eingebildet, dass ich einigermaßen regelmäßig stricke. Aber "einigermaßen" reicht hier bei weitem nicht aus. Schon minimale Unterschiede in der Fadenspannung führen dazu, dass sich das ganze um ein paar Millimeter verschiebt, was sich dann potenziert und nach ein paar Reihen verhängnisvoll auswirkt. Und natürlich wiederholen sich die Farben beim Handgefärbten auch nicht millimetergenau. Beides führt dazu, dass man eigentlich ständig am Zurückstricken und Korrigieren ist, um zwischendurch ein paar Maschen fester oder lockerer zu stricken.

Und unnötig zu erwähnen, dass natürlich auch die zwei Stränge, die man für einen Schal nun mal braucht, nicht absolut identisch sind. An folgendem Bild kann man die "Bruchstelle" ganz gut sehen:


Alles in allem also kein Wunder, dass ich dieses Teil monatelang mit mir herumgeschleppt habe. Und weil ich, als ich endlich die passende Maschenzahl herausgefunden hatte, so beglückt war, hatte ich mich natürlich nicht um so Kleinigkeiten wie einen vernünftigen Rand gekümmert, was dazu führte, dass sich das Ding einrollte wie blöd. Ich habe also hinterher in einem passenden Grauton noch einen gegenläufigen Rollrand angestrickt und jetzt passt es.


Das Endprodukt gefällt mir jetzt aber außerordentlich gut! Nicht zuletzt wegen der Garnqualität, von der ich ganz hingerissen bin! Obwohl das herkömmliche Sockengarn-Mischverhältnis vorliegt, ist das Garn unglaublich weich. Da muss ein ganz, ganz junges Polyamid sein Leben gelassen haben ;). Ich werde den Schal wahrscheinlich ständig tragen, schon damit ich ihn ausgiebig betatschen kann! Zu meiner großen Freude habe ich nochmal die gleiche Menge in Grautönen im Stash. Mal sehen, ob ich das Pooling dem Zufall überlasse, wenn das zum Einsatz kommt, oder ob ich mich noch einmal mit dem Rechenschieber ans Strickzeug mache. Lust hätte ich schon, aber vielleicht nicht ganz so bald ...



Garn:
  • 200 g Lanartus Fine Merino Socks handgefärbt (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 425 m / 100 g, Farbe7.
  • Sockengarnreste in hellgrau und schwarz für den Rand
Nadelstärke 3,75 mm (Rollrand 3,0 mm)

Der Leidensbericht geht auch noch zu Frau Maschenfein und zur Häkelline

Samstag, 4. März 2017

März: Bisher nur langweiliges Pflichtprogramm in Sicht

Ihr kennt das sicher auch: das weithin beliebte Nebenbeiprojekt, das sich jederzeit umstandslos für ein paar Reihen herausziehen lässt und bei dem man nicht groß nachdenken muss - eine durch und durch praktische Angelegenheit. Außer man hat ausschließlich solche unspannende Sachen auf den Nadeln. Dann wird es auf die Dauer doch ein wenige öde.











So geht es mir im Moment. Da ist zum einen der 'Planned Pooling'-Schal, der nur im Zeitlupentempo wächst.


















Und noch ein, etwas luftigerer Schal, der mich eigentlich im nun ja wohl unmittelbar bevorstehenden Frühling begleiten sollte, der aber irgendwie auch zu stagnieren scheint.








Sowie noch ein drittes Endlosteil, das zwar wenigstens ein Lochmuster hat, aber vorerst und kilometerweit IMMER DAS GLEICHE! Wenigstens habe ich dabei ausreichend Zeit, darüber nachzudenken, wie die Abschlusskante aussehen soll.


Merke: Ich brauche für diesen Monat dringend noch eine Herausforderung, aber selbst fortdauerndes heftiges Wühlen im Bestand hat noch nicht die rechte Erleuchtung gebracht.

***

Weite Teile des letzten Monats verliefen auch nicht aufregender. Denn der Versuch mit der Schattenstrickerei bot ja, außer jeder Menge Zählerei, auch nicht besonders viel Abwechslung. Und die Eisscholle war auch nur spannend, weil unklar war, wie sich die Form entwickeln würde.



Das absolute Highlight stellte sich schon Anfang des Monats ein. Denn das Sonnentuch bot wirklich alles, was ich am Stricken besonders mag: Abwechslung, ein bisschen was zum Tüfteln und kontinierliche Überraschungen beim Farbverlauf. Und nun, da die Anleitung fertig ist, kommt der beste Teil: abwarten und staunen, wie das Tuch in anderen Farben wirkt. Meine beiden großartigen Teststrickerinnen heti78 und maennerstrick haben da schon mal eindrucksvoll vorgelegt.





Dienstag, 28. Februar 2017

Schattenspiel


Wie schon vermutet, kommen die Dreiecke nach dem Waschen und im Tragemodus kaum zur Geltung. Obwohl ich schon extra dünne Nadeln verwendet hatte. Allenfalls ein leichtes Changieren lässt sich erahnen. Die Sache mit den Schatten eignet sich wohl doch eher für Wandbehänge. Und wenn Ihr sehen wollt, was man mit der Technik machen kann, wenn man sich so richtig reinsteigert, dann guckt mal hier.


Übrigens: kurz nachdem ich das Tuch begonnen hatte, erregte die Schattenstrick-Technik bei Ravelry ungeahntes Aufsehen wegen dieses Schals mit der Inschrift "Fuck Trump". Normalerweise ist der Tonfall dort ja durch und durch höflich. Aber in den Kommentaren zu dieser gestrickten Meinungsäußerung ging es teilweise ziemlich heftig zu. Wer immer noch nicht verstehen kann, wie das orange Ungeheuer gewählt werden konnte, erhält durch die - wollen wir es mal wohlwollend "Argumentation" nennen - seiner Anhänger einen erhellenden Blick auf die Klientel...



Garn:

  • 95 g Tosh Merino Light (100% Merino), LL 384 m / 100 g, Farbe: Black Walnut
  • 115 g Atelier Zitron Seidenstrasse (35% Merino, 35% Seide), LL 400 m / 100 g, Farbe 9026
Nadelstärke 3,0 mm

Sonntag, 19. Februar 2017

Lange Schatten

Ich hab da ein Bild für ein neues Tuch vor Augen, dessen Übersetzung in die Stricknadeln aber partout nicht klappt. Nachdem ich mittlerweile ein halbes Dutzend unzulänglicher Versuche aufgetrennt habe, war es Zeit für etwas Entspannenderes.

Was mir auch noch in der Sammlung fehlt, ist "Schattenstricken". (Ich bin fast sicher, es gibt im Deutschen noch einen anderen Begriff für das, was im Englischen 'shadow knitting' oder 'illusion knitting' heißt.) Nach dem Motto: "Wenn's schon mit der Kreativität nicht klappt, tun wir wenigstens was für den Stash-Abbau" habe ich also so eine zweifarbige Fingerübung angeschlagen:


Das funktioniert ganz gut, ist ja eigentlich auch ganz einfach. (Man strickt jeweils zwei Reihen in einer Farbe, auf der Vorderseite immer rechts, auf der Rückseite die Maschen, die hervorstechen sollen rechts, die übrigen links.) Und wenn man schräg darauf schaut, ist das Muster auch schön erkennbar.

Ich bin allerdings skeptisch, ob man den Effekt auch sieht, wenn das fertige Tuch um den Hals geschlungen ist. Ich habe die Befürchtung, dass es dann bloß langweilig gestreift aussieht. Hat von Euch schon jemand Erfahrung damit?


Montag, 13. Februar 2017

Eisscholle


Nach dem Sonnentuch schienen alle angefangenen WIPs plötzlich todlangweilig. Die draußen anhaltende Düsternis schrie zwar nach einem weiteren, möglichst bunten Projekt, aber mangels zündender Ideen ließ ich Disziplin walten und habe die "Eisscholle" fertiggestellt.


Begonnen habe ich damit, als draußen deutlich zweistellige Minusgrade herrschten und mir die Vorsehung einen heruntergesetzten Restposten Paillettengarn bescherte. Ja doch, da sind wirklich Pailletten drin:



Kombiniert mit Kidsilk und (schon wieder!) Nadeln in Stärke 8 ging das ursprünglich recht flott voran. In diesem Fall ließ sich mit den dicken Nadeln auch erstaunlich gut arbeiten, weil das Garn trotz Doppelfaden noch vergleichsweise dünn war.

Ich bin ja immer noch auf der Suche nach der (für mich) perfekten Form bei von der Seite gestrickten Tüchern. Und ich kann sagen: Das ist es auch noch nicht. Es ist viel zu lang geworden. Das sieht zwar auf dem Bild gut aus, mindert den Tragekomfort aber ungemein, weil man sich nicht vernünftig darin einwickeln kann. (Das klappt nur an der unterernährten Schneiderpuppe, die mir heute ins Haus schneite.)



Hier hat sich das planlose Drauflosstricken zur Abwechslung einmal nicht bewährt. Denn einerseits wollte ich, dass die Musterstreifen diagonal verlaufen, andererseits aber auch eine halbwegs symmetrische Form. Und das ließ sich partout nicht miteinander in Einlang bringen.

Anfühlen tut es sich allerdings ganz wunderbar. Vielleicht werde ich noch ein paar Drapier-Versuche mit Tuchnadeln starten. Wenn die Temperaturen demnächst so sehr steigen, dass es zu warm dafür wird, bin ich auch nicht böse ...








Maße: 255 x 63 cm

Garn:
  • 70g Rowan Kidsilk Haze Stripe (70% Mohair, 30% Seide), LL 420 m / 50 g, Farbe 362
  • 370g Lana Grossa Opera (65% Baumwolle, 25% Polyamid, 5% Viskose, 5% Pailletten), LL 100 m / 50 g, Farbe 012
Nadelstärke: 8,0 mm

Sonntag, 5. Februar 2017

Waiting for the Sun

So, ich hätte dann meinen bescheidenen Beitrag dazu geleistet, etwas Sonne ins winterliche Dauergrau zu bringen. Und weil ich während des Strickens gelegentlich das flehentliche Klagen der Doors im Ohr hatte, gibt's heute sogar die passende musikalische Untermalung.


Weil ich ein paarmal gefragt worden bin, wie mir denn sowas einfällt, erzähle ich diesmal die Entstehungsgeschichte etwas genauer.
Diejenigen, die hier öfter lesen, ahnen ja schon, dass ausführliche Planung oder gar ein vorangehender Entwurf auf Papier bei mir eher die Ausnahme sind. Entsprechend habe ich auch eher selten schon ein fertiges Bild vor Augen, wenn ich mit dem Stricken beginne (kommt aber vor, zum Beispiel beim Briocheoholic, beim Frühlingshauch oder beim Wellenreiter).

Öfter ist es so, dass ich anfange, mit einem Detail herumzuspielen, wie mit dem Dreieck beim Linientreu oder hier eben mit der Sonne. Und die ist eigentlich komplett Frau Fadenkrams Schuld. Denn die beklagte sich in einem Kommentar bitterlich über das wochenlange Fehlen derselben. Und weil grade Sonntag war und ich sonst nichts zu tun hatte, dachte ich, ich stricke ihr schnell eine. Und als ich mit den Halbkreis so ansah, sah das plötzlich nach einem verheißungsvollen Anfang für ein halbrundes Tuch aus.


Der nächste Schritt war dann einfach ein: "Mal sehen, wie das Garn so läuft!". Und weil ein Halbkreis ja jede Menge Zunahmen erfordert, lag es nahe, das Strahlenmotiv noch etwas weiterlaufen zu lassen und die Zunahmen dazwischen zu platzieren.


An dieser Stelle traf sich dann das, was ich am spontanen Drauflosstricken am meisten liebe mit dem was am meisten hasse. Am meisten liebe ich: dass man plötzlich etwas Schönes, Verheißungsvolles hat, wo eine Stunde vorher noch gar nichts war. Am meisten hasse ich: dass ich für gewöhnlich keine Ahnung habe, wie es von der Mini-Idee aus weitergehen soll.

Außerdem gab es noch zusätzliche Erschwernisse. Alle vier vorhandenen Knäuel präsentierten sich nämlich  von außen unschuldig in gelb-orange-grau. Aber kaum dass ein bisschen verstrickt war, kam da plötzlich grün zum Vorschein! Das fand ich zwar anfangs etwas irritierend, aber ich konnte mich damit anfreunden. Ärgerlicher war schon, dass da auch noch jede Menge dunkelgrau war, was ich ja nun zufällig schon zur Kontrastfarbe auserkoren hatte.  Es blieb mir also gar nichts anderes übrig, als zu drastischen Maßnahmen zu greifen und etwas zu tun, was ich sonst nie tue, nämlich das Garn zu zerschneiden, um die dunklen Stücke auszusparen.

Damit das Grün nicht so dominant ins Auge fiel, war klar, dass als Nächstes dünnere Streifen her mussten. Und weil ich reine Querstreifen grundsätzlich langweilig finde und außerdem bei dem kurzen Farbverlauf des Garns und wachsender Größe des Tuchs die Farben immer diffuser miteinander verschmelzen, stand auch der übernächste Schritt schon fest: nämlich ein quer verlaufendes Band, um den Farbverlauf schöner in Szene zu setzen, aber mit etwas mehr Grau, wegen des Kontrasts.


Danach war wieder eine längere Grübelpause angesagt. Weil das Grundproblem mit dem diffusen Farbverlauf ja immer noch da war. Die erste Idee, nach den überfälligen Zunahmen gleich noch einen Querabschnitt zu machen, ließ sich nicht umsetzen, das sah einfach blöd aus. Schließlich dachte ich: "Wenn schon diffus, dann richtig!" und entschied mich für ein größeres Segment mit Webstichen.


Und als Abschluss noch einmal ein Querband (siehe oben: Kontast, Farbverlauf ...) Und das war's dann auch schon. Hätte noch eine Spur größer sein dürfen, trägt sich aber gut:



Soweit der Werkstattbericht. Blieb nur noch, sofort nachzusehen, ob die MilleColori Knäuel, die auch noch in grau-rot herumlagen, etwa auch mit unerwarteten Farben im Inneren aufwarteten. (Das war zum Glück nicht der Fall!)





Ach ja, und dann sind da ja auch noch die kryptischen Anmerkungen auf leeren Briefumschlägen zu dechiffrieren, die in eine Anleitung transformiert werden sollen.


Weil schon diverse "Will ich haben!"-Rufe ertönten, wird das mit der Anleitung recht schnell gehen. Voraussichtlich gibt es auch wieder einen kleinen KAL in der Fadenstille-Gruppe. Ich werde rechtzeitig Bescheid geben ...


Maße: 170 x 66 cm

Garn:
  • 160 g Lang Mille Colori Baby (100% Schurwolle), LL 190 m / 50 g, Farbe 014
  • 120 g Schachenmayr Regia 4-fädig (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 210 m / 50 g, Farbe 522
Nadelspiel 3,5 mm
Rundstricknadeln 3,5 und 3,75 mm

Edit: Die Anleitung ist fertig!

Mittwoch, 1. Februar 2017

Auf den Nadeln im Februar

Im Rückblick sieht es so aus, als ob ich den ganzen Januar ausschließlich mit Stricken verbracht hätte. Die imposante Zahl von gleich sechs fertiggestellten Projekten relativiert sich allerdings, wenn man berücksichtigt, das die Hälfte davon bereits monatelang mitgeschleppt wurde und Anfang des Jahres schon in den letzten Zügen lag.


Die Langzeit-Quälgeister waren das Mosaik-Tuch und die Monochrom-Monotonie sowie der rote Schal. Und weil auch das spontan angeschlagene orange-gelbe Tuch in die Rubrik 'langweilig' fiel (Abwechslung boten lediglich die reichlich zu vernähenden Fäden!), kamen die beiden fingerlosen Handschuhpaare gerade recht: Einfach genug, dass sich schnell ein Aha-Effekt einstellte, aber wegen der Richtungswechsel trotzdem spannend in der Ausführung. Und natürlich schnell fertig.

***

Potenzielle neue Projekte liefen dagegen zunächst etwas zäh an. Mein erster Versuch mit 'planned pooling' trug in erster Linie dazu bei, meinen Schimpfwortschatz zu aktualisieren. Die ausführliche Leidensgeschichte gibt's, wenn der Schal fertig ist (das kann noch dauern).


Der spontane Erwerb eines Restpostens 'Opera' führte dazu, dass der weitere Verlauf des Monats sich etwas paillettenlastig gestaltete. Noch ein Schal (als luftiges Handtaschenprojekt) und ein Tuch, das zwar von der Form her regelmäßig sein sollte, aber mit asymmetrisch verlaufenden Musterstreifen. Das erbrachte bislang noch kein Ergebnis, aber zumindest schon mal die Erkenntnis, dass es bei derlei Vorhaben nicht schaden könnte, dem spontanen Losstricken etwas Planung voranzustellen ...


Alle drei Neuanfänge wurden dann aber umstandslos von der Couch geworfen, als sich vorletzten Sonntag spontan eine neue Idee herauskristallisierte (Arbeitstitel: "Eine Sonne für Regina"). Die Herausforderung, gestreiftes Garn so zu verarbeiten, dass es nicht allzusehr nach Streifen aussieht, ist doch immer wieder unwiderstehlich. Das wird auf jeden Fall bald fertig, weil ich kaum die Finger davon lassen kann!


Jetzt wo es so da liegt, fällt mir auf, dass die Farben doch sehr ähnlich sind, wie beim bunten Wust, der, entgegen der Januar-Ankündigung, immer noch kein Stückchen weiter ist (wo habe ich den überhaupt hingetan?). Und auch aus den Plänen, die grün/türkisen Vorräte etwas abzubauen, ist nichts geworden. Na ja, wo einen die Inspiration eben hinführt ... Vorerst zu den Monatsprojekten der übrigen Strickgemeinde.