Dienstag, 21. März 2017

Aller guten Dinge sind drei

Man sehe und staune: Im dritten Anlauf ist tatsächlich genügend Faltenfülle vorhanden und sie hat auch den Waschgang überlebt. So gibt es für das Modell 'Concertina' tatsächlich noch ein Happy End!


Des Rätsels Lösung lautete tatsächlich, einfach mehr Zunahmen zu machen. Obwohl das Tuch eher eine mittlere Größe hat (160 x 60 cm vor dem Waschen, 185 x 80 cm danach), stecken ca. 1500 m Garn drin.


Stichwort Garn: von allzu flauschigem, schmuseweichen sollte man wohl Abstand nehmen. Mein zweiter Versuch mit Kidsilk Mohair war ja der reinste Softie, der die Plisseefalten einfach ignoriert hat. Aber mit etwas griffigem Sockengarn funktioniert es ganz gut.


Als Ansporn zum Durchhalten habe ich für die untere Kante noch ein Beilaufgarn mit Pailletten dazugekauft. Die Aussicht auf etwas Glitzer hat dann auch geholfen. Und der Polyesterfaden hat auch noch einen praktischen Nutzen, denn dadurch kriegen die Falten, die unten schon etwas breit sind, noch eine zusätzliche Stütze.


Sehr frühlingshaft sieht das nicht aus, aber Gleiches gilt ja auch noch für das Wetter. Bis die ersten, etwas luftigeren Modelle fertig sind, kann ich das noch ganz gut vertragen.


Anleitung: Concertina

Garn:
  • 210 g Ferner Color Flow (75% Schurwolle, 25% Polyamid), 420 m / 100 g, Farbe 810
  • 65 g Lana Grossa meilenweit (80% Schurwolle, 20% Polyamid), 420 m / 100 g, Farbe 1323
  • 25 g Lanartus Fine Merino Socks (75% Schurwolle, 25% Polyamid), Farbe 1330
  • 25 g Lana Grossa Lace Paillettes (40% Alpaka, 20% Schurwolle, 15% Baumwolle, 15% Polyamid, 5% Polyester) 160 m / 25 g, Farbe 009
  • 5 g Lanartus Galaxy (100%Polyester), 340 m / 25 g, Farbe 103
Nadelstärke: 3,5 mm

Mittwoch, 15. März 2017

Olle Kamellen statt neuer Experimente

Ihr erinnert Euch vielleicht, dass ich letzten Sommer zwei nicht ganz zufriedenstellende Versuche mit jeder Menge Falten gemacht hatte (zu besichtigen hier und hier). Danach hatte ich die Idee mit Bedauern ad acta gelegt. Nun begab es sich aber, dass der Lieblings-Wollladen letzten Monat ein Fenster mit Schoppel-Wolle dekorierte und sich dafür auch ein paar von meinen Tüchern aus den Zauberbällen auslieh. Und prompt gab es eine Reihe Nachfragen nach einer Anleitung für das Faltending.


Notgedrungen starte ich also noch einen dritten - und garantiert letzten - Versuch, das Ganze so hinzukriegen, dass der Faltenwurf mich auch am fertigen Tuch befriedigt. Leider lautet die Lösung wohl: mehr Maschen, so dass sich das noch eine Weile hinziehen wird. So im Hinterkopf arbeite ich zusätzlich noch an einem kleinen Kniff beim Abketten, der hilfreich sein könnte.

Montag, 6. März 2017

"Planned Pooling" oder: Ein Test für die Nerven

Wie in jedem überdimensionierten Stash finden sich auch bei mir jede Menge dieser mehrfarbigen handgefärbten Garne, die im Strang so unwiderstehlich aussehen. Und nach dem Wickeln ewig ruhen, weil die schönen Farben dann wild durcheinander sind und das Ganze beim Stricken dann bloß irgendwie fleckig wird. Zeit also, sich mal nach alternativen Lösungen umzusehen. Und da kommt 'Planned Pooling' (= geplante Zusammenballung) ins Spiel. Die Idee dahinter ist, dass sich die Farbsegmente bei einem runden Strang - logisch - irgendwann wiederholen. Und daraus lässt sich dann berechnen, wie breit ein Strickstück sein muss, damit die Farben beieinander bleiben. Klingt einfach, isses aber nicht.


Nun ist es zwar immerhin nicht so, dass man man alleine austüfteln muss, wie man aus dem Farbchaos ein Muster zaubert. Wie für (fast) alle Probleme des Lebens hat das Internet auch dafür eine Lösung parat, in Gestalt der Seite Planned Pooling. In den Rechner gibt man einfach ein, über wie viele Stiche sich jede Farbe hinzieht. Und dann kann man ausprobieren, wie sich unterschiedliche Maschenzahlen auf den Farbverlauf auswirken. Bei mir sahen die Beispiele so aus:


Die Sache mit den Karomustern hatte ich von vorneherein als völlig unrealistisch verworfen. Wenngleich ich durchaus schon einige (allerdings gehäkelte) Exemplare gesehen habe, bei denen das gut geklappt hat. Aber für den Anfang wollte ich mich mit den geraden Streifen begnügen, schon aus dem Grund, weil man da schneller sieht, ob es funktioniert.

Und funktioniert hat erst mal gar nichts. Weil Theorie und Praxis an verschiedenen Stellen auseinanderklaffen. Zwar nur um Millimeter, aber die sind hier entscheidend. Es beginnt schon damit, dass es schwierig ist, die Maschen pro Farbe zu bestimmen, weil eine Farbe vielleicht nicht über genau sechs Maschen läuft, sondern nur über fünfdreiviertel ... Es hat mich geschlagene 14 (in Worten: vierzehn!!) Stunden gekostet, bis ich eine Basiszahl ermittelt hatte, mit der es lief. Weil man ja erst mal ein Stück stricken muss, um zu sehen, wie es sich entwickelt. Und dann nochmal mit einer Masche weniger. Und dann nochmal mit zwei Maschen mehr ... Mit 3,5er Nadeln klappte es jedenfalls hinten und vorne nicht, erst als ich auf 3,75er wechselte, nahm der Schal langsam Gestalt an.


Aber wenn die Basis dann mal steht, kann man ja ganz gemütlich und ohne hinzusehen einfach glatt rechts dahinstricken, richtig? Falsch!!!

Bis dahin hatte ich mir eingebildet, dass ich einigermaßen regelmäßig stricke. Aber "einigermaßen" reicht hier bei weitem nicht aus. Schon minimale Unterschiede in der Fadenspannung führen dazu, dass sich das ganze um ein paar Millimeter verschiebt, was sich dann potenziert und nach ein paar Reihen verhängnisvoll auswirkt. Und natürlich wiederholen sich die Farben beim Handgefärbten auch nicht millimetergenau. Beides führt dazu, dass man eigentlich ständig am Zurückstricken und Korrigieren ist, um zwischendurch ein paar Maschen fester oder lockerer zu stricken.

Und unnötig zu erwähnen, dass natürlich auch die zwei Stränge, die man für einen Schal nun mal braucht, nicht absolut identisch sind. An folgendem Bild kann man die "Bruchstelle" ganz gut sehen:


Alles in allem also kein Wunder, dass ich dieses Teil monatelang mit mir herumgeschleppt habe. Und weil ich, als ich endlich die passende Maschenzahl herausgefunden hatte, so beglückt war, hatte ich mich natürlich nicht um so Kleinigkeiten wie einen vernünftigen Rand gekümmert, was dazu führte, dass sich das Ding einrollte wie blöd. Ich habe also hinterher in einem passenden Grauton noch einen gegenläufigen Rollrand angestrickt und jetzt passt es.


Das Endprodukt gefällt mir jetzt aber außerordentlich gut! Nicht zuletzt wegen der Garnqualität, von der ich ganz hingerissen bin! Obwohl das herkömmliche Sockengarn-Mischverhältnis vorliegt, ist das Garn unglaublich weich. Da muss ein ganz, ganz junges Polyamid sein Leben gelassen haben ;). Ich werde den Schal wahrscheinlich ständig tragen, schon damit ich ihn ausgiebig betatschen kann! Zu meiner großen Freude habe ich nochmal die gleiche Menge in Grautönen im Stash. Mal sehen, ob ich das Pooling dem Zufall überlasse, wenn das zum Einsatz kommt, oder ob ich mich noch einmal mit dem Rechenschieber ans Strickzeug mache. Lust hätte ich schon, aber vielleicht nicht ganz so bald ...



Garn:
  • 200 g Lanartus Fine Merino Socks handgefärbt (75% Schurwolle, 25% Polyamid), LL 425 m / 100 g, Farbe7.
  • Sockengarnreste in hellgrau und schwarz für den Rand
Nadelstärke 3,75 mm (Rollrand 3,0 mm)

Der Leidensbericht geht auch noch zu Frau Maschenfein und zur Häkelline

Samstag, 4. März 2017

März: Bisher nur langweiliges Pflichtprogramm in Sicht

Ihr kennt das sicher auch: das weithin beliebte Nebenbeiprojekt, das sich jederzeit umstandslos für ein paar Reihen herausziehen lässt und bei dem man nicht groß nachdenken muss - eine durch und durch praktische Angelegenheit. Außer man hat ausschließlich solche unspannende Sachen auf den Nadeln. Dann wird es auf die Dauer doch ein wenige öde.











So geht es mir im Moment. Da ist zum einen der 'Planned Pooling'-Schal, der nur im Zeitlupentempo wächst.


















Und noch ein, etwas luftigerer Schal, der mich eigentlich im nun ja wohl unmittelbar bevorstehenden Frühling begleiten sollte, der aber irgendwie auch zu stagnieren scheint.








Sowie noch ein drittes Endlosteil, das zwar wenigstens ein Lochmuster hat, aber vorerst und kilometerweit IMMER DAS GLEICHE! Wenigstens habe ich dabei ausreichend Zeit, darüber nachzudenken, wie die Abschlusskante aussehen soll.


Merke: Ich brauche für diesen Monat dringend noch eine Herausforderung, aber selbst fortdauerndes heftiges Wühlen im Bestand hat noch nicht die rechte Erleuchtung gebracht.

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Weite Teile des letzten Monats verliefen auch nicht aufregender. Denn der Versuch mit der Schattenstrickerei bot ja, außer jeder Menge Zählerei, auch nicht besonders viel Abwechslung. Und die Eisscholle war auch nur spannend, weil unklar war, wie sich die Form entwickeln würde.



Das absolute Highlight stellte sich schon Anfang des Monats ein. Denn das Sonnentuch bot wirklich alles, was ich am Stricken besonders mag: Abwechslung, ein bisschen was zum Tüfteln und kontinierliche Überraschungen beim Farbverlauf. Und nun, da die Anleitung fertig ist, kommt der beste Teil: abwarten und staunen, wie das Tuch in anderen Farben wirkt. Meine beiden großartigen Teststrickerinnen heti78 und maennerstrick haben da schon mal eindrucksvoll vorgelegt.