Ich hab einfach viel zu wenig Wolle ...

Das ist natürlich Quatsch. Aber nachdem in letzter Zeit sich gefühlt jeder dritte Blog in Selbstbezichtigung wegen seiner "Sucht" übte, dachte ich, ich setze mal einen Kontrapunkt ;). Und zwar einen offensichtlichen, denn gestern habe ich meine Vorräte noch einmal beträchtlich aufgestockt, bei einem Räumungsverkauf. (Zum Glück nicht in meinem Haus-und-Hof-Laden; das würde mich  in eine beträchtliche Krise stürzen ...)
Und so sieht das Ergebnis meines Beutezugs aus:



Natürlich stapelt sich auch bei mir die Wolle an den unmöglichsten Plätzen. Und natürlich frage auch ich mich gelegentlich, ob ich all das zu meinen Lebzeiten noch verstrickt kriege. Aber was soll's? Mein einziges anderes nennenswertes Hobby ist Lesen, und das führt auch zu beträchtlichen Platzproblemen:


Immerhin verschlimmert sich dieses Problem seit der Erfindung des Kindle nicht mehr! Auf die Erfindung von digitalem Garn müssen wir hingegen voraussichtlich noch eine Weile warten ...

Aber das Lamentieren über die Wollvorräte - ist das eigentlich so ein Frauending? Hat man schon jemals einen Mann, der - je nach Einkommenssituation - Bierdeckel, Spielzeugeisenbahnen oder rote Ferraris sammelt, klagen hören, dass er zu viel von seinen Objekten der Begierde hat und demzufolge wohl süchtig sein muss? Sind es bloß wir, die ein schlechtes Gewissen kriegen, wenn wir etwas kaufen, das nur uns alleine Freude macht?

Ganz abgesehen davon, dass das alles noch nichts mit "Sucht" zu tun hat. Oder wacht jemand von Euch morgens auf und verkauft seine letzten Habseligkeiten, um sich seinen täglichen Strang Wolle zu kaufen? Na also! Wie bei jedem Hobby, das man intensiv ausübt, neigt man eben zu Überschwang bei der Materialversorgung. Habt Ihr schon mal gesehen, wie viele Bälle Menschen haben, die ernsthaft Minigolf betreiben? Auch die kaufen immer wieder neue dazu, weil die sich bei einer bestimmten Temperatur graduell anders verhalten. Das mag für Außenstehende genauso wenig nachvollziehbar sein  wie die Tatsache,  dass man genau diesen petrolfarbenen Strang Wolle noch haben muss, weil die anderen fünf, die zu Hause lagern, etwas stärker ins Grün oder Blau tendieren, und zwei davon sind sowieso aus Baumwolle ...

Außerdem hat ein reichlicher Wollvorrat auch ungeahnte Vorteile, jedenfalls für mich. Wenn ich am Samstagabend eine Strickidee habe, stehen die Chancen ganz gut, dass ich die sofort umsetzen kann, weil sich passendes Garn sicher im Stash findet. Und umgekehrt entstehen Ideen ja auch erst, wenn man ein ganz bestimmtes Garn in Händen hält.

So auch bei einer der Neuerwerbungen. Ich hatte bisher noch nie Noro-Garn gekauft, weil mir das einfach immer zu teuer war. Aber bei den 400 Gramm zum halben Preis musste ich dann endlich mal zuschlagen. Und kaum waren die Knäuel zuhause aus der Tüte geschlüpft, haben sie mir auch schon verraten, was sie werden wollten:


Und schließlich gibt es ja noch einen weiteren Punkt zu bedenken: Was wird denn aus den armen Kleinen, wenn sie keiner kauft? Kommen die dann ins Wollheim? Eine Kommentatorin bei Instagramm hat das angesichts des Einkaufs-Fotos trocken auf den Punkt gebracht. Sie meinte: "Ich wusste gar nicht, dass du bei 'Save the yarn' bist und dann noch so aktiv!"

In diesem Sinne: Ich habe nicht zu viel Wolle. Nur zu wenig Platz. Und nur deshalb werde ich erst wieder im Oktober auf dem Wollmarkt rettend eingreifen ...


Kommentare

  1. Super! Ich stimme dir da vollkommen zu!!!!

    LG

    Sylvia

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  2. Hu hu da stimme ich auch ganz zu Wolle kann man nicht genug haben!!!!
    Und darum habe ich heute auch wieder zu gescblagen habe 12 knaeule als reste in gelbtoenen und unterschiedlichen Materialien für sagenhafte 12euro gekauft die kann man doch nicht liegen lassen oder???
    Gestrickt wird daraus ein Match anderen move und der wird morgen früh gleich angenadelt
    GLG von Carola

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  3. Aaach, danke für den lieben Beitrag! 😃😃😃
    Aus dieser Seite habe ich meine Bevorratung nicht betrachtet! Super, bin total beruhigt!
    Um Noro-Garn beneide ich Dich!
    Also weiterhin "Save the yarn" ✌
    LG Nora

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  4. Einerseits hast du natürlich recht aber anderseits platzt meine kleine Näh- und Strickecke bald aus allen Nähten, wenn ich mich nicht ab und zu mal zügle und nicht jeder Kaufversuchung nachgebe. Leider! Das es jemals weniger wird glaube ich nicht wirklich, aber immer nur zunehmen das tut auch beim eigenen Gewicht nicht gut!
    LG Monika

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  5. Das ist ein toller Post! Wie recht du doch hast! Bei mir finden sich auch überall Wolle und Bücher, nur mein Bücherberg wächst noch weiterhin mit der Wolle mit, da ich es liebe, ein Buch beim Lesen in der Hand zu halten und umzublättern. Das alles hält mich trotzdem nicht ab, für Nachschub zu sorgen. Versuchte Disziplin in dieser Sache ist immer schon beim Anblick der Objekte der Begierde gnadenlos gescheitert :).
    Liebe Grüße
    Sandra

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  6. Jedes einzelne Wort kann ich blind unterschreiben; besser hätte ich unsere tolle "Sucht" auch nicht beschreiben können ;-) Manchmal bin ich wirklich froh, dass es hier im weiten Umkreis keinerlei Wollgeschäfte gibt, wenn man mal von diesem jämmerlichen nicht ernst zu nehmenden Ständerchen bei Ede*ka absieht. Ein Berliner Wollgeschäft meines Vertrauens (ja, das gibt es, ist allerdings glücklicherweise eine halbe Tagesreise enfernt) suche ich erst wieder heim, wenn ich zu der kürzlich installierten Hängerkupplung auch endlich einen Hänger habe *ggg*.
    Egal. Deine Beute finde ich grandios, da werden viele Ideen drin stecken. Jetzt bin ich sehr gespannt auf Deine Noro-Erfahrungen. Zu diesem Garn habe ich mich einmal vor vielen Jahren zum irrsinnigsten Preis hinreißen lassen und war nur enttäuscht, aber sowas von, dass es seither heißt: Egal was kommt, aber nie wieder Noro. Es kratzt selbst als Weste durch mehrere Schichten "Darunter", es war dermaßen schlecht versponnen, dass es teilweise beim aus dem Knäuel kriechen gerissen ist, andere Stellen so dick waren, dass sie schlimmer als Knoten aussahen, von denen es überreichlich gab. Und es steckte so viel Dreck in der Wolle - neee, nie, nie wieder. Aber das muss ja bei Dir nicht genauso sein und der Anfang sieht schon recht vielversprechend aus.
    Deine Bücherwände sind super; Du hast viel Vertrauen in die Tragfestigkeit der Wände, oder? Der Gatte hat ein ganzes Zimmer voller deckenhoher Regale, wenn man das mal gesehen hat, weiß man, weshalb Umzüge das größte Grauen für alle Beteiligten sind, zumal jedesmal weitere Bücherkisten dazu gekommen sind. Jetzt hab ich ihm meinen Kindle geschenkt und hoffe, das legt sich etwas. Umziehen wollen wir ja ohnehin nicht mehr - aber das haben wir schon öfter gesagt ;-)
    Liebe Grüße und viel Spaß mit Deiner Beute!
    Regina

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  7. Ähh - sorry, ich glaube fast, mein Kommentar ist länger als Dein Post :-(

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    1. Das macht doch nix!
      Tatsächlich hatte ich große Bedenken wegen der Tragfähigkeit, als mein Ex-Freund vor Jahren diese Aktion vorgeschlagen hat. Da sich mein Bett unmittelbar unter den Regalen befindet, sah ich mich schon von Bücherbergen begraben. Aber die Wände in meinem vorsintflutlichen Hochhaus sind noch überwiegend aus massivstem Beton, da dauert es schon fünf Minuten, bis man ein Loch gebohrt hat.
      Umziehen kommt für mich allerdings auch allenfalls dann in Frage, wenn ich im Lotto gewänne und jemand beauftragen könnte, den ganzen Kram ein- und wieder auszupacken. (Was extrem unwahrscheinlich ist, da ich nicht spiele ...)
      Ich kann mir gut vorstellen, dass das Noro unangenehm ist, wenn man etwas empfindlich ist. Es reibt ja sogar schon etwas am Finger beim Stricken.Die Verarbeitungsqualität ist allerdings bisher (zwei Knäuel verstrickt) gut. Mittlerweile gibt's ja jede Menge Wolle mit schönen Farbverläufen, die eine deutlich angenehmere Haptik hat. Aber ich glaube, die waren damals die ersten mit den Farbspielen und deswegen habe ich auch schon seit Jahrzehnten danach gelechzt. Jetzt musste es eben einmal sein!

      Liebe Grüße,
      Ute

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  8. Liebe wollverrückte Gleichgesinnte,

    jetzt muss ich ausnahmsweise mal kollektiv antworten. Ich freue mich, dass Ihr das ähnlich seht. Lasst uns unsere kleine Besessenheit weiterhin genießen, unbelastet von schlechtem Gewissen! Und ich freue mich schon darauf, zu sehen, was Ihr aus Euren Objekten der Begierde demnächst zaubert.

    Liebe Grüße,
    Ute

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  9. Ich denke, es ist ein Frauending, dass wir ständig versuchen, uns für Wolleinkäufe (bei mir auch Stoffeinkäufe für Patchwork) rechtfertigen wollen. Woher das kommt, kann ich nicht sagen, aber vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass viele Frauen finanziell von ihrem Ehemann abhängig sind oder zumindest früher waren. Und wenn es nicht das eigene Geld ist, das man dafür ausgibt, muss man sich rechtfertigen. Ich erwische mich auch immer wieder dabei zu erklären, warum ich wieder zugeschlagen hab. Aber dann sage ich mir immer: Es ist mein eigenes Geld, für das ich hart arbeite und ich kann es mir leisten. Sollen doch die anderen denken, was sie wollen.

    Und auch ich mag es, wie du schon schreibst, wenn ich eine Idee habe direkt loszulegen. Gerade am Wochenende hat man Zeit im Internet nach neuen Ideen zu stöbern. Da will man nicht erst eine Woche warten, bis man Zeit hatte, sich die Wolle dafür zu besorgen oder bis der Postbote mit der Bestellung da ist.

    In diesem Sinne: Fröhlichen Wollkauf wünsche ich allen!
    Silke

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    1. Ganz genau, zumal Postboten auch nicht mehr so zuverlässig sind wie früher ...

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