Das ist eine Jeansjacke




"Ja, dreht sie denn jetzt völlig durch?", werdet Ihr Euch angesichts der Überschrift mit Recht fragen. "Das ist doch eindeutig der Girlfriends Cardigan von Ankestrick!"
Stimmt, gut beobachtet! Wenn auch leicht abgewandelt. Aber die Sache mit der Jeansjacke ist trotzdem nicht gelogen, denn das Garn, das sich schon ewig in meinem Stash befand, ist aus recycelten Jeans hergestellt. Also reine Baumwolle, entsprechend schwer und mit einer lächerlichen Lauflänge. Kurz: So ziemlich genau das Gegenteil von dem, was die Designerin für ihr luftiges Jäckchen vorsah.

Aber: Ich wollte nicht schon wieder was Neues einkaufen. Aus dem Baumwollgarn sollte ursprünglich (ich schätze mal, so vor drei, vier Jahren) ein Pulli aus der Verena werden. Der dann aber auf halber Strecke aufgeribbelt wurde, weil Garn und Modell so gar nicht zusammenpassten, Seither lag es hier unnütz herum.


Dass es sich gut für ein Kraus-Rechts-Stück eignen würde, war von Anfang an klar. Durch das Recycling hat es so kleine Stoffeinschlüsse, die eine leichte Tweedanmutung ergeben. Die Frage war nur, ob es denn auch reichen würde, denn kraus rechts schluckt ja erst mal einiges an Länge. Und trotz Baumwolle vermittelte das Garn nicht den Eindruck, als ob es sich später viel dehnen würde. Mit Nachbestellen war auch nichts, denn die Qualität gibt es schon seit geraumer Zeit nicht mehr und, zumindest in dieser Farbe, waren auch keine Restposten mehr zu finden. Tatsächlich war es wohl schon ein Restposten als ich es erstanden habe; darauf deutet zumindest der lächerlich geringe Preis von 2,50 € pro Knäuel hin (ursprünglicher VP 7,95 €).

Über weite Strecken gestaltete sich das Stricken deshalb trotz der eintönigen Reihen recht spannend. Irgendwann im Mittelteil war ich, wie immer bei derartigen Aktionen, der festen Überzeugung, dass ich damit nie und nimmer hinkommen würde und das Endprodukt allenfalls als Bolero durchgehen würde. Weil ich's aber wissen wollte, habe ich fast durchgehend daran gestrickt und alles andere liegen lassen. Insbesondere die durchwachte Nacht wegen der Golden Globes Verleihung hat für ordentlich Zuwachs gesorgt.

Apropos Golden Globes: Meine kürzlich entdeckte, neue Lieblingsserie hat zwei der Trophäen erhalten. Falls Ihr Amazon Prime habt, möchte ich Euch die dringend ans Herz legen: The Marvelous Mrs. Maisel. Bisher gibt es leider nur acht Folgen, die dann aber ab Ende des Monats auch auf Deutsch. Mrs. Maisel ist eine brave jüdische Hausfrau der Fünfziger Jahre, die, als ihr Ehemann sie verlässt, ihr Glück als Stand-Up-Comedienne versucht. Und sie ist eine Schöpfung der "Eltern" der Gilmore Girls, was ja für sich genommen schon vielversprechend ist. Tatsächlich ist dabei das Beste herausgekommen, was ich seit Jahren gesehen habe. Besetzung, Dialoge, Kostüme, Kamera, Musik - hier stimmt einfach alles. (Einschränkend muss ich allerdings anmerken, dass ich einige der in den letzten Jahren hochgelobten Serien nicht gesehen habe. Weil ich nichts mit Fantasy, Superhelden, Untoten, Vampiren oder zu Drogendealern mutierenden Chemielehrern mag.) Die Pilotfolge kann man auch auf YouTube brsichtigen.



Was mich an der Jacke gereizt hat, war die ungewöhnliche Konstruktion. Ich bin da ja immer für neue Varianten zu haben. Die Jacke beginnt nämlich mit einem ellenlangen I-Cord quer über den Rücken. Die Wahl fiel nicht zuletzt deshalb auf die olle Wolle, weil ich dachte: Das kann doch hinterher unmöglich vernünftig sitzen! Tut's aber! Natürlich nicht auf Figur, aber das war bei dem Schnitt ohnehin nicht geplant. Aber richtig schön lässig, ohne dass an irgendeiner Stelle zu viel oder zu wenig wäre.

Leider musste ich auf die vorgesehenen Taschen verzichten - Ich wollte das Glück nicht allzusehr herausfordern. Was eine gute Entscheidung war, denn dafür hätte das Garn nie und nimmer gereicht. Und anstelle der Bündchen habe ich überall I-Cord-Abschlüsse gemacht, das passte meiner Meinung nach besser zu den ganzen falschen Nähten. Denn auch wenn es nicht so aussieht, gestrickt wird das Ganze natürlich, wie meist üblich, in einem Stück.





Garn: 643 g Lang Denim Cotton recycled (100% Baumwolle), LL 105 m / 50 g, Farbe 61.
Nadelstärke: 4,5 mm

AnleitungGirlfriends Cardigan

Kommentare

  1. Also mir gefällt die Jacke äußerst gut! Schön zu sehen, dass sie auch in Baumwolle ihre Wirkung entfalten kann.
    Und danke für den Fernseh-Tipp, das hört sich vielversprechend an.

    Liebe Grüße,
    Sabrina

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    1. Hallo Sabrina,
      ich freue mich auch, dass das olle Garn noch so eine gute Bestimmung gefunden hat. Aber in leicht und luftig hätte ich das Jäckchen auch noch gerne. Mal sehen ...
      Den Fernseh-Tipp wirst Du lieben!
      Liebe Grüße,
      Ute

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  2. Klasse und genauso lässig, wie man sich so ein Teilchen vorstellt. Die Farbe ist ja eher ungewöhnlich für Dich, erst recht die Einfarbigkeit ;-), passt aber zu dem Modell besser als jeder noch so schöne Verlauf. Also mein Urteil: echt schnuckelig :-).
    Liebe Grüße
    Regina

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    1. Klamotten mag ich ja eigentlich lieber in uni. Nur beim Wollkauf kann ich mich zugegebenermaßen selten dazu durchringen. So ein schönes Altrosa habe ich aber tatsächlich nochmal im Stash, allerdings in anderer Qualität. Gut möglich, dass da demnächst noch eine Jacke dazukommt. Zu dem Modell fand ich einfarbig auch besser.Obwohl ich noch massenhaft grün-blaue 3Cento habe, mit der ich mir etwas in der Richtung auch vorstellen könnte.
      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende,
      Ute

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